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Fachtag "Interkulturelle Öffnung und Kommunikation"

Die Ev. Jugendhilfe Münsterland hatte zum Fachtag „Interkulturelle Öffnung und Kommunikation – Wege des interkulturellen Dialogs“ eingeladen, an dem 70 Interessierte aus Politik, Verwaltung, Kitas, Familienzentren, Schulen, Bildungs- und Jugendhilfeeinrichtungen aus dem gesamten Kreisgebiet teilnahmen.

Nach den Begrüßungen durch Geschäftsführer Gerd Dworok und Thomas Kubendorff, Landrat des Kreises Steinfurt, hielt Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan, einen Vortrag zum Thema „Erziehung und Entwicklung im interkulturellen Kontext“. Der wissenschaftliche Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung und Professor für Moderne Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen zeichnete ein sehr differenziertes Bild von türkischen Einwanderern. Es gäbe große Unterschiede zwischen Menschen, die aus Istanbul oder aus dem Südosten der Türkei kommen. Er gab viele Informationen zu den Einstellungen und dem Verhalten von Migranten. Hinsichtlich der Erziehungsziele gäbe es unter Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ein breites Spektrum. Im Vergleich dazu stünden bei vielen deutschen Eltern Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein an erster Stelle. Das sei nicht immer so gewesen, sondern habe sich seit den 80er Jahren so entwickelt. Vorher seien Gehorsamkeit und gute Manieren gefragt gewesen. Uslucan wörtlich: „Viele Migranten konservieren in Deutschland ihre Traditionen,“ ein Phänomen, dass bei den meisten Auswanderern zu beobachten ist.

Haci-Halil Uslucan forderte für die Kinder eine qualitativ bessere Bildung im vorschulischen Bereich. Eine frühe Selektion dürfe nicht stattfinden. Uslucan weiter: “Auch muss die ethnische Diskriminierung als Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden. Nur so kann eine Änderung des gesellschaftlichen Klimas erfolgen.“ Er warb für eine stärkere Wahrnehmung von Kompetenzen und Potenzialen junger Migranten.


In der sich anschließenden Diskussion ging es u.a. um die Frage, wie man erreichen kann, dass mehr Eltern mit Zuwanderungsgeschichte Elternsprechtage besuchen. Uslucan schlug hier die muttersprachliche Ansprache vor. Auch seien die Briefe häufig zu kompliziert verfasst. Deshalb sollten Kinder die Elternbriefe formulieren.

Im zweiten Vortrag berichtete Elvira Ajvazi, Roma-Aktivistin aus Münster über ihre Arbeit mit Roma-Kindern an Münsteraner Schulen. Sie stellte heraus, wie wichtig die Rolle einer Kulturvermittlerin ist. Sie ist sowohl in der deutschen als auch in der Roma-Kultur zu Hause und kann zwischen beiden Welten vermitteln. Ajvazi: „Ich bin Hausfrau, Mutter und berufstätig und für viele ein Vorbild.“ Elvira Ajvazi ist eine Mitarbeiterin des Projekts „Mulingula“ der Stadt Münster. Die Honorarkräfte lesen Kindern mit Migrationshintergrund Geschichten in ihrer Muttersprache vor. Da es auf Romanes keine Bücher gibt, hat Frau Ajvazi eigene Kinderbücher entwickelt.

Barbara Schonschor vom Jugendmigrationsdienst zeigte weitere Perspektiven auf: „Wir vom Arbeitskreis Migration der Ev. Jugendhilfe Münsterland möchten weitere Fachtage durchführen. Durch die Informationen von Experten erhalten wir neue Erkenntnisse und Lösungsansätze für unsere Arbeit mit den Menschen mit Migrationsgeschichte“.

Hier einige Materialen zu der gelungenen Veranstaltung:

Vortrag von Prof. Uslucan, Universität Duisburg-Essen
Bericht des Steinfurter Lokalsenders VOIS TV
Einladung und Anmeldung

JMD Steinfurt
JMD Gronau?