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Migration und Integration - eine Querschnittsaufgabe der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland

"Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der das Thema Integration von Zuwanderern als besondere und positive Herausforderung gelebt wird. Wir wünschen uns dabei ein Klima, in der wir Menschen aus anderen Kulturkreisen als eine Bereicherung unserer eigenen Kultur wahrnehmen, sie willkommen heißen und in dem wir Lust haben, voneinander zu lernen." – so lässt sich der Prozess, die Themen Migration und Integration die Arbeit der Ev. Jugendhilfe Münsterland stärker zu integrieren, zusammenfassen.

Seit ca. 3 Jahren arbeitet die Ev. Jugendhilfe Münsterland gezielt an der Thematik Migration und Integration. In allen Arbeitsbereichen der Jugendhilfe findet dabei Begegnung mit Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern statt. Daher ist die interkulturelle Öffnung ein wichtiger Aspekt der strategischen Ausrichtung im Hinblick auf Schulung der Mitarbeitenden, Initiierung von Projekten und Einrichtung entsprechender Dienste, sowie die Sensibilisierung der Öffentlichkeit.

Erster strategischer Punkt war die Einrichtung eines Arbeitskreises Migration, in dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Fachdienste und ein Mitglied der pädagogischen Leitung vertreten sind. Eine analytische Bedarfsermittlung innerhalb des Trägers in den unterschiedlichsten Geschäftsbereichen zur Fragestellung "Über welche Ressourcen im Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund verfügen wir und wo liegen die Defizite?" zeigte, dass sowohl die Arbeitsmarktprojekte im Bereich der Benachteiligtenförderung, als auch die unterschiedlichen Wohngruppen und die Kindertageseinrichtungen Informationsbedarf zum Themenfeld Migration anmeldeten.

Die Zielsetzung des Arbeitskreises Migration war und ist sowohl die Sensibilisierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Trägers und seiner Partnerorganisationen, als auch die Sensibilisierung der Öffentlichkeit.

Die Grundanliegen des Arbeitskreises sind wie folgt zu beschreiben: Zum einen gilt es Interesse von Mitarbeitenden an der Thematik der interkulturellen Kompetenz zu wecken. Zum anderen sind Wege zu finden, diese Thematik in die eigene Organisation zu implementieren sowie öffentlichkeitswirksame Angebote außerhalb der eigenen Organisation zu entwickeln.

Das Thema Migration und interkulturelle Öffnung beschäftigt die MitarbeiterInnen der Ev. Jugendhilfe Münsterland im Rahmen ihrer originären Arbeitsfelder in zunehmendem Maße. Sowohl in Beratungsgesprächen, als auch in Erziehungssituationen des beruflichen Alltags wird konstatiert, dass hier ein großer Bedarf an Wissen und Erfahrung besteht. Ein sensibler Umgang im interkulturellen Zusammenleben erleichtert dabei die Arbeit mit Menschen unterschiedlicher Herkunft. Erfolgreiche Integration ist für die Ev. Jugendhilfe Münsterland kein Zufall.

Die Mitarbeitenden haben gleichwohl viele Fragestellungen. "Wie gehe ich damit um, wenn ich es mit Menschen zu tun habe, die russischer, albanischer, türkischer oder portugiesischer Herkunft sind?, Was tun, wenn Menschen, die vielleicht ähnliche Probleme haben, aufgrund ihrer kulturellen Herkunft damit ganz anders umgehen als wir es gewohnt sind?“ – sind nur zwei der genannten Fragen.

Gemeinsam ist nach Handlungskonzepten gesucht worden, öffentlich zu machen, dass die Jugendhilfe dieses Thema wichtig findet. Um dem Bedarf der Mitarbeitenden des Trägers nach mehr Information, Kenntnissen und Handlungskonzepten zu entsprechen, wurde ein interner Fachtag mit Dr. Mohammad Heidari aus Köln mit dem Titel "Interkulturelle Öffnung – was habe ich davon?" geplant und durchgeführt.

Um dem Grundanliegen der Ev. Jugendhilfe Münsterland einer sozialräumlichen Vernetzung Rechnung zu tragen, wurde als Veranstaltungsort das Ev. Gemeindezentrum gewählt, der Bürgermeister um ein Grußwort gebeten, der Integrationsbeauftragte der Stadt Steinfurt als besonderer Gast und die örtliche Presse zur Eröffnung des Fachtages eingeladen.

Sowohl das Grußwort des Bürgermeisters als auch die Teilnahme des Integrationsbeauftragten und die Pressemeldungen zeigten die Bedeutung eines derartigen Projektes nicht nur für den inneren Kreis des Trägers auf.

Als Ergebnis des Fachtages wurde weitergehendes Interesse der Beschäftigten an Inhouse - Schulungen zur Thematik der Interkulturellen Kompetenz angemeldet.

Mit Dr. Heidari wurden in 2008 und 2009 drei Workshops, an denen jeweils 30 Personen teilnahmen, für die Mitarbeitenden des Trägers durchgeführt. Diese standen unter folgenden Schwerpunkten:

  • Wege aus der interkulturellen Konfrontation (11.11.2008)
  • Was ist in Beratungsgesprächen zu beachten, damit man nicht in die interkulturelle Falle tappt? (16.06.2009)
  • Traditionelle Erziehungsvorstellungen muslimischer Eltern im Spannungsfeld westlich moderner Pädagogik (24.08.2009)

Für die Zukunft ist davon auszugehen, dass auch immer wieder Brüche zwischen Wichtigkeit und dem Alltagsgeschäft entstehen werden. Hier ist sicherlich das Instrument des Arbeitskreises Migration einzusetzen, der darauf hinarbeitet, dass Migration weiterhin als integratives Thema der Ev. Jugendhilfe Münsterland lokalisiert bleibt.

Interkulturelle Öffnung bedeutet für dabei für die Ev. Jugendhilfe Münsterland auch die Übernahme der Trägerschaft der Jugendmigrationsdienste Steinfurt und Gronau, sowie die Durchführung des Integrationsprojektes „tandem“ und vielfältiger weiterer Aktivitäten.

Im Rahmen der Arbeit des Integrationsprojektes "tandem" sind zwei Fotoreportagen entstanden.

"Bilder im Kopf" - eine fotografische Sozialreportage über Spätaussiedler, die in Steinfurt leben und "Damals Türkei – Heute Steinfurt" - ein fotografischer Dialog, der von türkischen Jugendlichen aus Steinfurt erstellt wurde. Diese Ausstellungen werden auch gerne an andere Institutionen ausgeliehen.

Ebenso hat die Ev. Jugendhilfe Münsterland die Durchführung der Interkulturellen Wochen 2008 und 2009 in Steinfurt initiiert und organisiert.

Bild 1: Junge Frauen aus Bosnien in der Ausstellung "Blick nach vorn zurück", Bild 2 + 3: Gemeinsames Fastenbrechen in Steinfurt

Gerade abgeschlossen wurde das Integrationsprojekt "Reckenfeld, das sind wir!" im Rahmen der niedrigschwelligen Hilfen in Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt Greven. Hierzu ist eine eigene Broschüre erstellt worden, die auf Anfrage zugesandt werden kann.

Unser Handeln wird dabei weiterhin von der Maxime "Menschen haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede" geleitet werden.

Gerd Dworok
Geschäftsführer der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland gGmbH