Westfälische Nachrichten, 21.04.2011
Angenommen oder nur angekommen?Junge Migranten machen sich Gedanken ums Thema Integration und Identität
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-job- Kreis Borken. Wie fühlen sich junge Menschen, die einen Teil ihres Lebens in Deutschland, den anderen Teil weit, weit weg verbracht haben. Wo man völlig anders lebt, eine andere Kultur hat, wo die Menschen anders sprechen, essen , miteinander umgehen. Mit dieser Frage befassten sich jetzt in einem mehrteiligen Workshop, den die Jugendmigrationsdienste Gronau und Bocholt im Rheder Klausenhof angeboten hatten. Kursleiter Alexej Davidov vom Jugendmigrationsdienst und Crossmediadesignerin Olga Kudrjawzewa aus Gronau haben gemeinsam mit jungen Leuten aus Russland, Afrika, der Karibik und anderen Teilen der Erde Plakate gestaltet, Fotos geschossen - und Fragen zum Thema gestellt: Was ist Integration, was ist Identität? "Ich bin Russe, und ich werde wohl immer Russe bleiben", sagt Alexey Marusin. Der 23 jährige wohnt seit 2001 in Deutschland - also sein halbes Leben. Marusin, der als Hobby Sportakrobatik betreibt, kann sich nicht vorstellen, wie andere junge Migranten, etwa die Fussballspieler Mesut Özal oder Sami Khedira mal für Deutschland zu starten. Die Deutsche Kultur kennenlernen, das will er trotzdem. "Das hat richtig Spaß gemacht", fand er bei der Abschlussveranstaltung am Dienstagnachmittag. Erst seit sechs Monaten in Deutschland ist Junia Ponce Rodriguez. Die Kubanerin, die schon erstaunlich gut Deutsch spricht, ist sich sicher:" Ich bleibe für immer Kubanerin." Was ihr an und in Deutschland fehlt: Die Deutschen sind so kalt. Da wird viel zu viel geplant, zu wenig spontan gemacht. Zu wenig |
gefühlvoll, zu wenig leidenschaftlich", findet die 18-jährige, die in den sechs Monaten ihres Aufenthalts in Deutschland aber eins zu schätzen gelernt hat. "Pünktlichkeit" Olga Kudrjawzewa, die selber vor rund 16 Jahren aus Kasachstan nach Gronau gekommen ist, sieht in dem Workshop die gute Gelegenheit, dass sich die jungen Migranten bewusst werden, wie es um sie bestellt ist. Manch einer sei "angekommen, aber nicht angenommen", sagt die junge Designerin, die sich für ihre Examansarbeit an der Kunsthochschule Enschede selbst auf die Spurensuche in die kasachische Hauptstadt Astana gemacht hatte. Manch einer erkenne in solchen Kursen, dass Deutschland ihm etwas gebe - junge Migranten aber auch Deutschland viel zu bieten hätten. "Jeder hat erzählt, was er mitgebracht und was er bekommen hat", sagt Kudrjawzewa. Die Bilder und Plakate, die bei dem Kursus entstanden sin, sollen später einmal öffentlich gezeigt werden - im Kreishaus vielleicht, wie Davydov hofft. ![]()
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Zum Thema: Jugendmigrationsdienst Der Jugendmigrationsdienst ist zuständig für die Beratung und Betreuung von jungen Zuwanderern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund von zwölf bis 27 Jhren. Er wird gefördert durch das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ). Der Jugendmigrationsdienst Bocholt (Tel. 02871/222849) ist beim AWO Unterbezirk Münsterland- Recklinghausen angegliedert, der Jugendmigrationsdienst Gronau (Tel. 02562/9645697) bei der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland. Der Bocholter Dienst hält in Borken dienstags von 14 bis 16 Uhr Sprechstunden im DRK-Zentrum an der Röntgenstraße ab. Im Angebot haben die Dienste unter anderem Vermittlung in Integrationskurse und Deutschkurse, Hilfen bei der Anerkennung von Bildungsabschlüssen, Orientierungshilfen im Bildungs- und Ausbildungsfeld, Unterstützung bei Behördengängen und mehr. Infos: www.awo-msl-re.de und www.ev-jugendhilfe.de/jmd-gronau. | ||||



