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Eltern: zwischen Verständnis und Erschöpfung

Pressemitteilung vom 29.04.2020

Anmeldezahlen in der Notbetreuung steigen

Der große Ansturm auf die Notbetreuungsplätze in Kitas und im Offenen Ganztag der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland blieb bislang aus. Viele Eltern haben sich zuhause große Mühe gemacht, die Betreuung selbst zu organisieren, nicht zuletzt, um sich selbst als auch die Mitarbeitenden in Kita und OGS zu schützen. Selbst bei bestehenden Ansprüchen auf Notbetreuung sind diese oft nicht geltend gemacht worden.


Für die Leitungen der Einrichtungen bedeutet es trotzdem, auf das schrittweise Zurück zu den normalen Betreuungszahlen vorbereitet zu sein. Dabei gilt, es die Vorgaben des Ministeriums umzusetzen, auch wenn nicht 100% der Mitarbeitenden zur Verfügung stehen, da einige zu den Risikogruppen gemäß RKI zählen.
Große Kontaktketten zu vermeiden bleibt zurzeit ein Hauptanliegen. Längst haben sich Eltern daran gewöhnt, ihr Kind an der Tür der Kindergärten und Schulen zu übergeben, ohne selbst mit hineinzugehen. Viel Organisationstalent und Kreativität wurde den Einrichtungsleitungen abgefordert, um mit den Allerkleinsten Hygienevorschriften umzusetzen und trotzdem eine heimelige Atmosphäre zu schaffen. Die Kleinen sind inzwischen Experten in puncto Hygiene. „Wenn die Kinder sehen, dass sich eine Erzieherin ins Gesicht fasst, wird aufgepasst, dass sie sich sofort die Hände wäscht,“ so Sabrina Gerling, Leiterin der Kita „Lummerland“ in Rheine-Mesum.

Ein klein wenig Alltagsroutine hätte sich eingestellt, so berichten mehrere Kitaleitungen. Aber mit steigenden Anmeldezahlen müsse teils täglich umgedacht werden.
„Außerdem arbeiten viele Eltern im Pflegebereich. Wegen der derzeitigen Situation kommt es oft zu kurzfristigen Änderungen im Dienstplan und dann müssen die Kinder eben auch zu anderen Zeiten betreut werden,“ berichtet Gerling weiter. Im Moment kann niemand abschätzen, wie sich die Bedarfslage in den nächsten Wochen entwickelt. Betty Loschelder, Schulkoordinatorin der Ev. Jugendhilfe Münsterland, beobachtet: „Zu Beginn der Notbetreuung in den Offenen Ganztagsschulen waren es nur einzelne Kinder, die betreut wurden. Durch die neu hinzugekommenen Berufsgruppen melden immer mehr Eltern Betreuungsbedarf an, sodass wir durchschnittlich schon zwei bis drei Kleingruppen pro OGS anbieten.“

Und die Eltern, die noch keinen Anspruch auf Betreuung haben? „Viele Eltern sind am Limit. Sie können die Betreuung nicht mehr lange selbst stemmen,“ sorgt sich Sabrina Müller, Leiterin der Kita „Die Arche“ in Hörstel. Besonders laut melden sich Eltern, deren Kinder in diesem Jahr die Kita verlassen werden. Sie fordern, dass die Vorschulkinder auf ihren Schulstart vorbereitet werden. Einige finden es ärgerlich, dass die geplanten Abschlussfeiern nicht stattfinden könnten. Sabrina Müller hat Verständnis: „Für die Schulstarter ist es emotional schwierig, wenn sie sich nicht von ihrer Kita verabschieden können. Und dann geht es nach den Ferien plötzlich mit der Schule los.

Bei der Mehrheit der Eltern herrscht jedoch großes Verständnis für die weitere Schließung vor – außerdem haben sich viele Kita-Teams ins Zeug gelegt, um trotz aller Umstände in Kontakt mit den Kindern und den Eltern zu bleiben. Auch wenn der Übergang zur Grundschule in diesem Jahr leider ganz anders werden wird, ist eins sicher: Die Mitarbeitenden werden kreative Wege zur Verabschiedung finden.