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AAT – Anti-Aggressivitätstraining

Flexible Jugend- und Familienhilfe Borken / Rhede

Um die Bezeichnung AAT/CT verständlich zu machen, wird im Folgenden der Ablauf eines möglichen Trainings dargestellt (in Anlehnung an Gewalt im Griff von Jens Weidner und Rainer Kilb; Beltz Verlag):

Das Curriculum des AAT; der Trainingsteilnehmer durchläuft verschiedene Phasen:

Integrationsphase:

Hier wird über verschiedene Freizeitaktivitäten und Gespräche versucht, ein Vertrauensverhältnis zu den Teilnehmern aufzubauen. Es werden Trainingsziele und die Trainingsansprüche erklärt. In Form eines Vertrages erteilen die Teilnehmer den Trainern Eine Interventionserlaubnis. Darunter sind Provokationen und Konfrontationen zu verstehen. Diese Interventionserlaubnis ist besonders bei massiven Konfrontations- und Provokationsformen ( Beleidigung; Körperkontakt ) notwendig.

Konfrontationsphase:

Methodischer Kern dieser Phase ist der “ Heiße Stuhl“, auf dem sich jeder Klient der Provokation und Konfrontation durch die restlichen Teilnehmer stellen muss. Der „Heiße Stuhl“ ist zunächst ein feststehender Begriff in der sozialpädagogisch-psychologischen Praxis und steht für verbalen Schlagabtausch, gewollte Provokationen und Konfrontationen bei Verharmlosungen und Rechfertigungen von begangenen Taten und deren Folgen.

Eine Konfrontation und Provokation erfolgt nicht allein durch die Trainer, sondern auch durch die übrigen Teilnehmer. So wird zum Einen der Peer-Group-Effekt genutzt, zum Anderen quasi durch die Hintertür, eine Veränderung im Bewusstsein der Teilnehmer bewirkt, die problemlos Kritik an anderen üben und Verhaltensalternativen vorschlagen, die auch für sie selbst zutreffen können.

Inhaltlich wird diese Phase folgendermaßen gestaltet: Zunächst werden die Aggressionsauslöser der Teilnehmer analysiert. Diese Auslöser werden zuerst herausgearbeitet, der Teilnehmer anschließend in einem Provokationstest punktgenau und mit steigender Intensität mit diesen konfrontiert. Im zweiten Schritt werde die Gewaltrechtfertigungen der Teilnehmer hinterfragt, da ihre tatverharmlosenden Schilderungen häufig in krassem Widerspruch zur Realität stehen. Dadurch soll erreicht werden, dass die Täter die Verantwortung für ihre Taten übernehmen.

Durch das Einbeziehen der Opferperspektive soll die Empathiefähigkeit und -bereitschaft der Klienten aufgebaut werden und damit die Aggressionhemmung erhöht werden. Hierzu werden für jeden Teilnehmer die tatsächlichen und möglichen Folgen ihrer Tat aufgezeigt.

Des weiteren werden die Teilnehmer aufgefordert, einen Entschuldigungsbrief an ihre Opfer zu schreiben. Zusätzlich müssen die Täter ihre real begangene Tat in Form eines Live – Act – Rollenspiels ( nach der Psychodrama-Methode ) nachspielen. Hierbei kommt es zu einem Rollentausch, d. h. der Täter wird in die Rolle seines Opfers gebracht. In einem zweiten Rollenspiel wird die Tat ein weiteres Mal durchgespielt, nun aber werden Verhaltens- bzw. Konfliktlösungsalternativen erarbeitet und durchgespielt.

Gewaltreduktionsphase:

Diese Phase hat das Ziel, ein Umdefinieren von Werten im Bewusstsein der Teilnehmer zu erreichen, so dass Gewaltlosigkeit und Selbstkontrolle als Stärke begriffen werden können. Praktisch wird erwartet, dass der Teilnehmer Schwächeren hilft und mit Eltern, den Geschwistern oder den Freunden über seine Tatschuld spricht und damit sukzessiv von der verharmlosenden Legendenbildung abrückt. Die Teilnehmer werden weiterhin aufgefordert, sich in ihrer Gruppe von der Gewalt zu distanzieren.

Nachbetreuungsphase:

Nach Beendigung der Trainings besteht für jeden Teilnehmer die Möglichkeit, auch weiterhin die Beratung zu nutzen. Dies kann in Form von Einzelgesprächen stattfinden, gegebenenfalls aber auch in einer erneuten Kursteilnahme. Des weiteren wird den AAT-Absolventen angeboten, an regelmäßigen Treffen im Sinne einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen.

Anmerkung: Im CT, als präventive Maßnahme, werden die unterschiedlichen Maßnahmen teilweise in abgeschwächter Form angeboten. Das CT ist eine Trainingsmaßnahme, in dem die Teilnehmern für gewaltauslösende Situationen alternative Handlungsmöglichkeiten erlernen. Diese ermöglichen ihnen, sich Gewalt zu entziehen oder Gewalt zu verhindern.