Bilderleiste

Evangelische Jugendhilfe hat 19 zertifizierte Anti-Aggressivitäts-Trainer

Die Evangelische Jugendhilfe Münsterland gGmbH stellte in ihren Angeboten seit Jahren einen langsamen, aber stetigen Anstieg der Anfragen von Jugendlichen fest, die in ihrer Vorgeschichte durch gewalttätiges Verhalten aufgefallen sind.

Neben der Integration dieser Jugendlichen in Gruppenkontexte fällt oftmals der Beziehungsaufbau zu den gewaltbereiten Jugendlichen schwer. Erfahrungsgemäß sind es meist die gewaltbereiten Jugendlichen, die in Gruppen nicht zu halten sind. Leider erfahren diese Jugendlichen dadurch einmal mehr das, was sich ohnehin schon durch ihre Biographie zieht: Kontaktabbrüche und kaum sichere Bindungen.

Dabei zeigte eine Studie, die der Kölner Autor und Soziologe Rainer Neutzling für die Evangelische Jugendhilfe anhand von sieben Tiefeninterviews mit gewaltbereiten Jugendlichen erstellt hat, den eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Erleiden und der Anwendung von Gewalt (Rainer Neutzling: Gewalt macht die Seele krank).

Diese Studie war Teil einer thematischen Schwerpunktsetzung „Gewaltbereitschaft“, zu der sich die Evangelische Jugendhilfe Ende des Jahres 2003 in Form einer Doppelstrategie entschlossen hatte.

Die zweite Achse bildete ein Zertifikatskurs Anti-Aggressivitäts-Training©/Coolness-Training©, den 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Jahr abschlossen. Die Verfahren gehören zu Ansätzen der sogenannten Konfrontativen Pädagogik, die ihren Ursprung haben in delikt- und defizitspezifischen Behandlungsmaßnahmen für gewaltbereite Mehrfachtäter. Das AAT© wird primär in der Justiz, das CT© primär in Jugendhilfe und in Schule als spezialisierte Form des sozialen Trainings eingesetzt. Für das CT© wurden darüber hinaus Anwendungen zur Gewaltprophylaxe und Deeskalation in und mit Schulklassen und Schulen entwickelt.. Die 19 zertifizierten Trainerinnen und Trainer hatten bereits während ihrer Ausbildung und nach deren Ende vielfältige Gelegenheiten, ihr erworbenes Know-How in der Praxis anzuwenden. Bisherige Tätigkeitsfelder sind:

  • Schulen in Form Arbeit mit Klassenverbänden, mit Kleingruppen durch Gewaltbereitschaft aufgefallener Schüler, Lehrer-Fortbildung,
  • Jugendgerichtshilfen durch Arbeit mit straffällig gewordenen Jugendlichen, die per gerichtlicher Weisung kommen,
  • Bewährungshilfen
  • Heimgruppen
  • Jugendgruppen aus der offenen Jugendarbeit
  • Migrantengruppen

Foto: Die zertifizierten AAT©/CT©-Trainer Zu sehen sind (von links unten nach rechts oben): die Trainer Ingo Bloeß und Rainer Gall, Wolfgang Schulz, Dennis Hoffeins, Ingeborg Lüke, Tom Bauhaus, Christian Schwital, Rainer Bojarzin, Iris Ebbing, Gabi Werning Steffi Kittler, Carsten Wienand, Uwe Ganer, Harry Neuberger, Rainer Schmidt, Kay Albring, Ralf Göckener, Gregor Mensing, Torsten Steentjes, Elke Banken, Jutta Tiltmann. Es fehlt: Rainer Röttger


Dass dieser Arbeitsansatz wirkt, zeigte kürzlich in beeindruckender Weise die Statistik der Stadt Borken, für die die Evangelische Jugendhilfe seit 2002 Anti-Aggressivitäts-Trainings© mit Jugendlichen durchführt, deren Zugangsvoraussetzung entweder über schwere Körperverletzung oder Mehrfachtäter definiert waren. Der Zielerreichungsgrad der Maßnahmen lag bei 93%, d.h. nur 7% der Teilnehmer sind rückfällig geworden.

AAT/CT-Präsentation in Ochtrup