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Interkulturelle Müttergruppe in Gievenbeck

Immer wieder neue Wege und Projekte gestaltet die Kita Lichtblick. An dieser Stelle sei auf folgende Initiative hingewiesen:

Großes Bedürfnis nach werteorientierter Erziehung

Multikultureller Austausch in der Gievenbecker Kita „Lichtblick“, die von der evangelischen Jugendhilfe Münsterland getragen wird: Dorit Kleinen (2.v.r. stehend), Diplom-Psychologin der Caritas-Beratungsstelle, und Laila Mortaga (l.) vom „Haus der Familie“ haben eine Gesprächsrunde für Mütter ins Leben gerufen. Foto/Text: tu

„Es ist spannend zu beobachten, wie sich Mütter unterschiedlichster Nationalitäten über Kindererziehung unterhalten!“ Jutta Lüdenbach, Leiterin des Familienzentrums „Lichtblick“ zieht ein rundum positives Fazit einer Premiere, die in den Kindertageseinrichtungen in Münster-West ein Novum darstellen dürfte: Zehn Frauen und 27 Kinder aus sieben Nationen haben mit fachlicher Unterstützung eine interkulturelle Müttergruppe ins Leben gerufen, die jetzt den regelmäßigen Austausch pflegt.

Es geht um Alltagsfragen, um Erziehungsstile, um das Verhältnis von Mann und Frau – also letztendlich um existenzielle Grundfragen, die weltweit jede Familie fernab von materiellen Bedürfnissen und kultureller Unterschiede beschäftigen dürfte. „Ziel unseres Gesprächskreises ist es, unterschiedliche Lebenswelten miteinander zu teilen“, unterstreicht Diplom-Psychologin Dorit Kleinen. Mit Unterstützung der Kulturmittlerin Laila Mortaga vom „Haus der Familie“ hat die Koordinatorin der örtlichen Cariats-Erziehungsberatungsstelle die interkulturelle Müttergruppe initiiert. Der Austausch geht ungezwungen vor sich. Wobei die Gesprächsthemen nach Erfahrung des Duos deutlich die Ebene der in multikulturellen Gruppen häufig gepflegten Unverbindlichkeit verlassen. „Es ist immer wieder faszinierend, wie die Frauen dankbar Erziehungstipps aufgreifen oder sich auch kritisch hinterfragen“, so die Beobachtung der Psychologin, „zugleich wächst dabei der gegenseitige Respekt vor kulturellen und religiösen Traditionen der jeweiligen Nationalität.“ So habe etwa eine afghanische Muslimin in dem Kreis wissen wollen, was sie Deutschland für die Erziehung ihrer Kinder lernen könne, ohne die eigenen religiösen und kulturellen Wurzeln zu vernachlässigen.

Viele arabische Frauen – obschon häufig mit akademischem Hintergrund – hätten aufgrund fehlender deutscher Sprachkenntnisse oftmals Scheu, derartige Sinnfragen zu stellen, unterstreicht Laila Mortaga aus Afghanistan. „Dabei sind diese Fragen von enormer Wichtigkeit“, bekräftigt Dorit Kleinen. Zur Überwindung kultureller und sprachlicher Barieren trägt nicht selten die Afghanin bei, die eigens im „Haus der Familie“ eine Ausbildung als Kulturmittlerin absolvierte. Dank ihrer arabischen Sprachkenntnisse könne sie einigen Frauen die Teilnahme am Gespräch erleichtern, bekräftigt Leila Mortaga. Von der Möglichkeit, im geschützten Raum des Familienzentrums Alltagserfahrungen aus dem Leben in Deutschland auszutauschen, wird nach den Worten der Kita-Leiterin Jutta Lüdenbach dankbar Gebrauch gemacht. Als erklärte „Brücke zueinander“ fungieren dabei die Kinder: Die letzte halbe Stunde des auf vier Nachmittagstreffen beschränkten Angebotes widmeten die Frauen stets dem Nachwuchs. Ganz oben auf der Themen-Wunschliste steht neben unterschiedlichen Vorstellungen von Erziehung die Bedeutung der Religiosität und religiösen Feste. „Das Bedürfnis nach wertorientierter Gestaltung der Erziehung ist offenbar bei allen Nationalitäten sehr groߓ, stellte Dorit Kleinen fest.