Bilderleiste

Neue Wege gehen.. Was geht in Gronau?

Projekt: Was geht in Gronau?

Erkunden, was Jugendliche wollen

Bei den Projektüberlegungen gingen wir von der Grundannahme aus, dass es bei der Projektentwicklung nicht darum geht, für Betroffene etwas zu machen, sondern mit ihnen gemeinsame Projekte zu entwickeln, die ihre Integration unterstützen.
Hierzu passt das Sprichwort:
DER WURM MUSS DEM FISCH UND NICHT DEM ANGLER SCHMECKEN.
ALSO FRAGEN WIR DEN FISCH; WAS ER MÖCHTE.

Zielsetzung und Vorüberlegung
Die Schwierigkeit Jugendliche mit Migrationshintergrund mit Jugendlichen ohne Migrationshintergrund zusammen zu bringen, ist auch den meisten jungen Leuten in Gronau bewusst. An vielen öffentlichen Plätzen sieht man immer häufiger Gruppen, die sich aufgrund ihrer Herkunftskulturen zusammenschließen.

Sicherlich ist es einfacher, in der Muttersprache zu kommunizieren und gemeinsam die „alte“ Kultur auszuleben, anstatt sich an etwas Neues zu gewöhnen, nur ist es nicht das, was wir erreichen wollen. Aber leider spielt die andere Seite im Bezug auf Integration auch nicht immer mit. Das heißt, dass auch viele der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund Vorurteile gegen die Einheimischen hegen.

Sie vertreten oftmals die Meinung, dass der Ausdruck „Menschen mit Migrationshintergrund“ mit Kriminalität oder Aggressionen verbunden ist. Um diese Missverständnisse zu klären, einander besser kennen zu lernen, soll im Jugendmigrationsdienst ein Projekt gestartet werden, dass die Jugendlichen dabei zu unterstützt das Gegenüber zu verstehen. Unser Ziel ist es dabei, ein Angebot zu entwickeln, das Jugendliche zusammenbringt. Die Vorüberlegung war ein Projekt ins Leben zu rufen, worauf die Jugendlichen, sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund Lust haben. Etwas, was die Freizeit füllt und Spaß macht.
Da die Wünsche der jungen Leute nicht konkret zu fassen sind, die Literatur häufig der Realität hinterher hängt, war schnell klar, das eine direkte Befragung zielführend ist.

Zielgruppe:
Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund im Aller von 12- 27 Jahren

Projektvorgang

Die Idee war, das Gronauer Nachtleben unsicher zu machen, sprich von Kneipe zu Kneipe und von Club zu Club zu ziehen und dort die Jugendlichen zu erreichen, wo sie nicht in Arbeit und Alltag stecken, sondern beim Wochenendbier.
Um ca 20 Uhr, Samstags gings los. Es wurden verschiedene Kneipen aufgesucht.
Der Plan lief gut, denn schon als der erste Jugendliche mit Migrationshintergrund angesprochen wurde, stieg auch das Interesse bei dem Rest der Gruppe. Dieses Muster war stets das Gleiche. Nach einer ersten Vorstellung und der Erklärung über den Zusammenhang zum Jugendmigrationsdienst Gronau und wurden nach ein paar Wortwechseln die ersten Standartfragen gestellt: „Sag mal, kommste aus Gronau und wenn nicht, wie lange wohnste hier? Und gibt’s hier eigentlich irgendwas, was ihr in eurer Freizeit starten könnt, also was hat Gronau zu bieten? Und wenn es dir was bietet, nimmst du es an? Wenn nicht, warum nicht?“
Die meisten Fragen haben sich aus dem Gespräch ergeben, denn es war wichtig, dass es nicht wie ein Interview klang.
Die Atmosphäre der Gelassenheit und der Feierlaune sollten bestehen bleiben und auf keinen Fall sollte sich das lockere Gespräch zu etwas Verkrampftem auflösen. Die Jugendlichen sollten das Gefühl haben, locker über ihre Freizeitgestaltung reden zu können, ohne beurteilt oder schief angeguckt zu werden. So wurde das Gespräch oft schon nach einer halben Stunde vertraulich und sie hatten keine Ängste mehr offen über die Integration und Freizeitgestaltung zu reden. Das Gespräch wurde bewusst so gelenkt, dass nach und nach klar wurde, was in Gronau fehlt, worauf die Jugendlichen, sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund Lust haben und worauf nicht. Ihre wichtigste Aussage war, dass sie keine langfristigen Verpflichtungen eingehen wollen. Sportvereine mit ihren Ritualen sind für sie vollkommen überholt. Diese vertraglichen Bindungen lehnen sie ab.

Reaktionen
+ Antworten
Im ersten Moment waren die meisten der Jugendlichen verblüfft, denn natürlich sind sie es nicht gewohnt, dass jemand am Freitagabend zu ihnen stößt und sie neugierig nach ihrer Freizeitgestaltung befragt.
Ziemlich viele derjenigen, mit denen man an diesem Abend ins Gespräch gekommen war, waren auch erst einmal misstrauisch, doch das hat sich immer nach spätestens 5 Minuten gelegt.
Je länger das Gespräch dauerte, desto lockerer und gleichzeitig sympathischer wurden wir uns gegenseitig. Es entstand das Gefühl, dass sie ehrliche Antworten auf die gestellten Fragen gegeben haben.

Die Antworten fielen überraschend gleich aus, insofern, hat sich die Vermutung bestätigt: Keine Lust auf Verpflichtungen und erst recht nicht auf „ immer das Gleiche“. Fußballspielen im Verein sei „immer das Gleiche“, denn man treffe sich verpflichtend einmal die Woche und man spiele nur Fußball.
Ja, sogar das Musikmachen sei das Gleiche, denn auch wenn man voran kommt, trifft man sich mehrmals, nur um diese eine Tätigkeit auszuüben. Sie fordern Vielfalt und Gronau hätte dies noch nicht zu bieten, so waren die Worte.
Alles sei verpflichtend und wenn man mal „kein Bock“ hat, würde man sofort Ärger von der Band oder vom Trainer bekommen. „Wir sind doch noch viel zu jung, um uns irgendwo zu binden, auch wenn’s nur um unsere Freizeit geht, wo kommen wir denn hin, wenn die uns schon in unserer Freizeit sagen wollen, was wir machen sollen und was nicht?! Und auf Trainer oder irgendsolche Kerle, die meinen uns anmachen zu müssen, wenn wir mal einfach was anderes zu tun haben, auf die haben wir erst recht keinen Bock, in der Schule gibt’s schon Stress genug.“
Nach den Unterhaltungen haben wir die Handynummern (30 neue Handynummern) ausgetauscht und eine Rückmeldung vereinbart, sobald sich etwas Neues ergibt (im Bezug auf die Räumlichkeiten und sonstige Organisationen).

Nationalität der befragten Jugendlichen

  Jugendliche mit:
  türkischen,
  libanesischen, 
  russischen, 
  kroatischen und 
  polnischen Migrationshintergrund,

Jugendliche ohne Migrationshintergrund

Erstaunlich fanden die Praktikanten, wie leicht es doch ist, sich einfach einmal mit den Jugendlichen auseinanderzusetzen und herauszufinden, was sie interessiert und wonach sie suchen, zweitens hat mich deren Offenheit sehr überrascht, und drittens war dieser Abend noch dazu mit viel Spaß verbunden.

Zum Schluss noch ein paar Worte, die zum Projekt und zum Thema „Lebensweltorientierung“ passen:

Lebensweltorientierung meint die Unterstützung von sozialen Zusammenhängen vor allem in Familie, Verwandtschaft, Nachbarschaft, Gruppen oder Gemeinde, durch Förderung der vorhandenen Möglichkeiten, Ressourcen und deren Nutzung bei der Lösung von sozialen Problemen.