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3. Juli 2026

20 Jahre Gleisbrücke: Wo aus schwerem Gepäck neue Wege werden

Wer an ein Bahnhofsgleis denkt, hat meist Trubel vor Augen. Menschen kommen an, reisen ab – manche mit leichtem, viele aber auch mit richtig schwerem Gepäck. Seit genau zwei Jahrzehnten ist die Gleisbrücke in Greven der Ort, an dem dieses Gepäck in Ruhe sortiert werden darf. Hier können Menschen nach Brüchen im Lebenslauf, nach Krankheit oder Flucht im geschützten Rahmen neue Perspektiven entwickeln, handwerkliche Fähigkeiten entdecken und Schritt für Schritt ihr Selbstvertrauen zurückgewinnen. Dieses runde Jubiläum wurde nun mit vielen Wegbegleitern im sonnigen Begegnungsgarten gefeiert.

Durch den Vormittag führte Jan Niklas Hellmann als pädagogische Leitung mit einer zugewandten Moderation, die den roten Faden für eine ganz besondere Zeitreise knüpfte. Den Anfang machte Projektleiterin Susanne Fischer, die das Gesicht und das Herz der Einrichtung ist. Sie nahm die Anwesenden mit zurück zu den holprigen Anfängen vor 20 Jahren, als das Team nach der plötzlichen Auflösung eines früheren Vereins unversehens ohne Räumlichkeiten dastand. Dass aus dieser damaligen Notlage dank des Entgegenkommens eines örtlichen Vermieters, dem Vertrauen der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland rund um Martin Klein und der beständigen Partnerschaft mit dem Jobcenter Kreis Steinfurt eine echte Erfolgsgeschichte wurde, spürte man in jedem ihrer Worte.

In den Textil-, Holz- und Kunsthandwerkstätten sowie im Sozialkaufhaus „Möbelbrücke“ wird tagtäglich ein Miteinander auf Augenhöhe gelebt. Wie tief dieser Ansatz Sinn stiftet, griff ejhm-Geschäftsführerin Karin Beckmann feinfühlig auf: Wer erlebt, dass die eigenen Hände etwas Brauchbares und Schönes schaffen, gewinnt oft auch den Mut, den nächsten Schritt im Leben zu gehen. Gleichzeitig lenkte sie den Blick auf die Realität enger Budgets und plädierte bestimmt für eine verlässliche Absicherung solcher unverzichtbaren Angebote, um sie vor politischen Sparzwänge zu schützen.

Diese Notwendigkeit sieht man auch in der Kommunalpolitik und Verwaltung, wo die Einrichtung fest verwurzelt ist. Der 2. stellvertretende Bürgermeister der Stadt Greven, Stevens Gomes, gratulierte im Namen der Stadt und dankte dem Team für den täglichen Einsatz, der einen wesentlichen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt und zur praktischen Integration vor Ort leiste. Wie lebendig dieser Zusammenhalt im Alltag aussieht, beschrieb Beate Tenhaken (Fachbereichsleitung Soziales der Stadt Greven). Sie lobte das kreative Niveau des Upcyclings im Haus und hob hervor, wie wichtig Susanne Fischers verlässliches und beständiges Engagement für die Menschen in Greven in all den Jahren war.

Dass der Erfolg der Gleisbrücke eben nicht in nackten Zahlen, sondern an der persönlichen Stabilisierung der Teilnehmenden gemessen wird, betonte auch Roswitha Reckels, Dezernentin für Schule, Kultur, Sport, Jugend und Soziales des Kreises Steinfurt. Sie lobte die unkomplizierte, enge Kooperation mit dem Jobcenter-Team und das Konzept, Menschen über feste Alltagsstrukturen ganz ohne Druck neuen Lebensmut zu schenken.

Den passenden, tiefer gehenden Abschluss dieser Gedanken gestaltete Regionalleiter André Warnke, der den Namen „Gleisbrücke“ in einer treffenden Metapher zusammenführte: Eine Brücke sei ein wichtiger Abschnitt auf einem langen Weg, aber sie sei nicht dafür da, um dauerhaft auf ihr zu verweilen. Brücken helfen dabei, Hindernisse aktiv zu überwinden und gestärkt weiterzugehen – genau das passiere hier jeden Tag.

Nach dem offiziellen Teil ging die Veranstaltung fließend in das über, was die Gleisbrücke am besten kann: Gemeinschaft spürbar machen. Praxisanleiter Hannes Greven eröffnete den Imbiss und lud die Gäste dazu ein, das Gelände zu erkunden. Sowohl das Buffet als auch kleine, handgefertigte Glücksbringer als Give-away wurden von den Projektteilnehmenden komplett selbst zubereitet und hergestellt. Die Besucher nutzten den restlichen Vormittag intensiv für gute Gespräche, Einkäufe im Sozialkaufhaus und persönliche Rundgänge mit den Praxisanleitern Hannes Greven und Frank Höffer.

Zukunft gelingt gemeinsam