Unter dem Motto „Leben und Arbeiten vor 100 und mehr Jahren“ hatten die Ferienkinder der OGS St.-Ludgerus-Schule Hörstel einige spannende Erlebnisse.
Durch engagierte ehrenamtliche Mitarbeiter der Heimatvereine in Riesenbeck und Bevergern (vielen Dank nochmal an dieser Stelle!) konnten die Kinder hautnah erleben, wie mühsam und zeitaufwändig die Gewinnung von Lebensmitteln (Honig, Salz) und die Herstellung von Materialien wie z.B. Wolle, Tücher und Seile damals war.
Der Besuch beim Imker war interessant, aber auch aufregend. So nah kommt man einem Bienenstock sonst nicht. Da brauchte es starke Nerven, um ruhig zu bleiben. Gut, dass der Imker alles genau erklärte.
Ebenso begeistert waren die Ferienkids beim Ausflug zur Saline „Gottesgabe“ in Rheine, wo sie Schritt für Schritt selbst Salz gewinnen durften.
Gewissenhaft überprüfen Tim und Leonie gegenseitig ihre Ausrüstung – unter Tauchern „Buddy-Check“ genannt. Sind alle Instrumente an ihrem angedachten Platz? Sind alle Schnallen geschlossen, ist die Pressluftflasche geöffnet? Stimmt der Faschendruck und – das wichtigste – funktionieren die Atemregler? Alles passt: Okay-Zeichen und los! Das erste Mal den Kopf unter die Meeresoberfläche stecken, sich direkt in Mitten eines Fischschwarmes wiederfinden. Große, staunende Augen verbargen sich hinter den Tauchermasken.
Acht Kinder und Jugendliche, die in verschiedenen Projekten der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland betreut werden, erlebten in den Sommerferien ihren ersten Tauchurlaub auf der Insel Krk in Kroatien. Bereits in den Vorjahren konnten die Kinder und Jugendlichen einen Tauchkurs absolvieren und träumten seitdem davon, endlich mal im Meer abtauchen zu können.
Die Gelegenheit erhielten sie nun gleich mehrfach und entdeckten bei ihren ersten Salzwassertauchgängen die Hausriffe „Secret Beach“ und „Silent Beach“ bei Vrbnik auf Krk gemeinsam mit den begleitenden Pädagogen. Ein besonderes Highlight war sicherlich auch der Bootsausflug mit zwei Tauchgängen vom Tauchboot. Der erste Tauchspot führte die Nachwuchstaucher zum Prvic-Tunnel, einen etwa 35 Meter langen Unterwasser-Tunnel. Zwar wurde dieser nicht durchtaucht – dennoch war es ein eindrückliches Erlebnis, an dessen Eingang vorbei zu tauchen und einen kurzen Blick hinein zu riskieren. Der zweite Tauchspot war eine abfallende Uferwand mit wunderschönen Korallen bewachsen. Und auch sonst gab es genug zu entdecken unter Wasser. Seepferdchen, riesige Quallen, Seesterne und im Sonnenlicht glitzernde Fischschwärme sorgten dafür, dass niemandem langweilig wurde. Ein echter Erfolg, beim Mittagessen auf dem Boot bedankte sich Tim bei den Pädagogen: „Ich find es geil, als Gruppe zu tauchen. Das macht übelst Spaß. Jeder hilft jedem. Danke!“
„Ich war noch nie so weit weg von zu Hause. Das ist wirklich aufregend.“ – Kim, 12 Jahre
„So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich bin so dankbar, dass ich das miterleben darf.“ – Eileen,15 Jahre
Und so wurden die Tauchgänge stolz in den Logbüchern vermerkt, die Beobachtungen notiert und mit unzähligen Eindrücken im Gepäck machten wir uns nach einer Woche wieder auf den Heimweg. Erschöpft – aber überglücklich.
Möglich wurde diese Freizeit durch eine Förderung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung im Rahmen eines Förderprogrammes: „AUF!leben – Zukunft ist jetzt.“ ist ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Programm ist Teil des Aktionsprogramms Aufholen nach Corona der Bundesregierung.
Unterstützung bei dieser Freizeit erhielten wir zudem durch die Kreissparkasse Steinfurt, den Schnorchel Tauchshop Münster & Rheine und durch aqua med aus Bremen, die uns für den Zeitraum der Freizeit mit einer Tauch- und Auslandskrankenversicherung absicherten und unsere Freizeit somit sehr unterstützten. Vielen Dank!
Die Mädchenwohngruppe am Tiggelsee fuhr nach Bremerhaven und brachte nachhaltige Ideen mit nach Steinfurt.
Corona hat alle Menschen vor große Entbehrungen und Herausforderungen gestellt. Besonders betroffen davon sind Kinder und Jugendliche, die in stationären Einrichtungen leben und sowieso schon mit starken Belastungen in ihrem Alltag konfrontiert werden.
Die Mädchen, die in den letzten zwei Jahren in die Mädchenwohngruppe am Tiggelsee gezogen sind, konnten die Pädagoginnen monatelang nur mit Maske kennenlernen. Ein unbeschwertes Einleben, Vertrauen fassen und Teil der Gruppe werden, wurden dadurch stark erschwert.
Gemeinsame Aktivitäten konnten größtenteils nur draußen in der Natur stattfinden. In dieser Zeit ist den Mädchen die Natur und die Nähe zu Tieren besonders ans Herz gewachsen. Aus diesem Grund wurde das Thema Nachhaltigkeit zu unserer Herzensangelegenheit. Thematisch haben wir gemeinsam mit den Mädchen erarbeitet, was jeder von uns ganz spezifisch tun kann, um Müll zu vermeiden und die Umwelt zu schützen. Es entstand der Wunsch, mit der Gruppe ins Klimahaus nach Bremerhaven zu fahren, um das Umweltbewusstsein noch weiter zu stärken und unsere Erde mit allen Sinnen zu erleben.

Hier kam die Lotterie Glücksspirale ins Spiel, die unseren Gruppenausflug mit ihrer Förderung erst möglich gemacht hat! Das Abenteuer, das die Mädchen bei der zweitägigen Reise mit Übernachtung in einem Hostel erleben durften, war unbeschreiblich! Endlich unbeschwerte Gruppendynamik, Spaß und eine verdiente Auszeit vom Alltag!
Neben dem Klimahaus besuchten wir auch den Zoo am Meer und natürlich den Weser-Strand!

Nachdem wir wieder Zuhause waren, waren wir bemüht, so viele nachhaltige Ideen wir möglich in unserem Alltag umzusetzen.
Das alles wurde von der Glücksspirale ermöglicht und finanziert und wir sagen:
Beate Schürmann, Pädagogische Leitung, hatte eine besondere Idee, als ihr von der Firma Ghepetto aus Bremen ein Holzschaf als Geschenk überreicht wurde. Über eine interne Ausschreibung bat sie alle Kitas der Ev. Jugenhilfe, eine kreative Idee zum Thema Schaf umzusetzen. Als Gewinn winkte das kleine Holzschaf.
Die Entscheidung fiel der Pädagogin dann doch recht schwer, aber schlussendlich überzeugte die Geschichte „Wolle ohne Wolle“ der Kita Steppkes im Kreishaus. Die Geschichte ist als PDF weiter unten zu finden.
Die U3-Kinder der Steppkes-Kita im Kreishaus Steinfurt waren bei der Übergabe ganz aus dem Häuschen. Herzlichen Glückwunsch an die kreativen Köpfe, die die schöne Geschichte gemeinsam mit den Kindern umgesetzt haben.

Elias* hat in seinen 12 Jahren nicht viel Gutes erlebt. Sein familiäres Umfeld war bestimmt durch körperliche und psychische Gewalt. Schließlich wurde den Eltern die Erziehungsfähigkeit aberkannt. Elias und sein jüngerer Bruder kamen als Kinderschutzfall in eine Borkener Wohngruppe der Evangelischen Jugendhilfe.
Elias war durch die Geschehnisse in seiner Familie stark traumatisiert. Er lebte in seiner eigenen Realität und war für niemanden emotional zu erreichen. Verschiedene interne und externe Therapieversuche scheiterten.
Bis zu dem Tag, als ein besonderer Co-Therapeut in die Gruppe gehuscht kam: Buddy, ein junger, bildhübscher Flat Coated Retriever mit glänzend schwarzem Fell. Buddys Besitzerin Svenja Vahlhaus, die zu der Zeit in der Wohngruppe als Pädagogin tätig war, beobachtete, dass Elias nach verbalen und körperlichen Ausbrüchen immer wieder die Nähe zu Buddy suchte, sich zu ihm legte, ihn umarmte und streichelte, weinte und sich wieder beruhigte. Das pädagogische Team sah darin sofort eine Chance, mit Elias zu arbeiten. In Krisensituationen war der Hund ab sofort stets anwesend. Der 12-Jährige zeigte sich dann sehr viel kontrollierter und ruhiger. Elias konnte den Hund losschicken, um eine Gefühlskarte zu ziehen, über die er dann sprechen kann. Dadurch erfuhr Elias etwas, das er bisher noch nicht kannte: Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit.
Buddy und Vahlhaus sind ein „Therapiepädagogisches Begleithundeteam“. Sie haben eine 18-monatige Ausbildung beim Institut MITTT in Rheine hinter sich.
„Für mich war das vor zwei Jahren eine spontane Idee. Die Familie wollte gern einen Hund und ich habe mir gedacht, dann nehme ich ihn auch mit in die Arbeit und lasse ihn, oder besser uns, ausbilden“, erinnert sich Vahlhaus.
Dabei habe sie sich vorab genau informiert, welche Rasse oder welcher Charakter für ihren Arbeitseinsatz geeignet ist. Vahlhaus dachte an einen ruhigen, leicht zu führenden Hund und Buddys Rasse gilt als menschenfreundlich und leicht zu erziehen. „Die Ausbildung hatte es allerdings in sich“, erzählt Vahlhaus weiter, „im ersten halben Jahr blieb der Hund zu Hause und es gab für mich viel Theorie zu lernen.“ Es folgten intensive Trainingseinheiten mit dem Vierbeiner.
Buddy arbeitet nur auf Kommando. Wenn man ihn nicht braucht, liegt er geruhsam auf einem seiner Plätzchen und hat die Möglichkeit, sich auszuruhen. Denn: auch für Buddy ist es anstrengend und er braucht einen Ort, an dem er sich jederzeit zurückziehen kann. Das ist ein wichtiger Hinweis, den Vahlhaus immer wieder geben muss.
„Wir beobachten oft, wie Kinder und Jugendliche, die ansonsten unruhig, unbeherrscht und laut sind, sich Buddy zuliebe leise verhalten“.
Buddys Erfolg hat viele Gründe: Ein Hund begegnet dem Menschen wertfrei, er tröstet und bewahrt Geheimnisse. Und: er spiegelt das Verhalten seines Gegenübers wider. Ist der Mensch laut, wird der Hund unruhig. Und so passiert es, dass eine Schulklasse, in der Buddy zu Besuch ist, leise wird, die sonst kaum zu bändigen ist. Denn: Buddy kommt erst, wenn es ruhig ist. „Wir bieten in verschiedenen Schulen im Münsterland Sozialtraining-Workshops an und Buddy lockert das mit lustigen Tricks auf.“
Zurzeit „arbeitet“ Buddy im Projekt „Dock 14“ in Steinfurt, wo ihn schon alle ins Herz geschlossen haben.
Und Elias? Der 12-Jährige wohnt mittlerweile in einer Intensivwohngruppe der Evangelischen Jugendhilfe. Er ist dort gut angekommen, so Vahlhaus, und hat sogar einen Freund gefunden. Mit Buddy hat er zwar keinen regelmäßigen Kontakt mehr, aber zur Wohngruppe gehört Garfield, ein zugelaufener roter Kater. Und der macht – auch ohne Ausbildung – einen guten (Kuschel-)Job.
*Der Name wurde geändert.
Bei schönem Wetter trafen sich nach langer Pause die Gastfamilien der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland (JuMeGa) auf dem Außengelände der Fabrik in Coesfeld zu einem Sommerfest. Jede dieser Familien stellt Raum und Zeit zur Verfügung, um ein Kind oder einen Jugendlichen bei sich aufzunehmen und zu begleiten.
„Noch ein leckeres Würstchen?“ Timo sagt nicht nein. Seit zwei Jahren lebt der 13-Jährige in einer Gastfamilie. Seine Herkunftsfamilie war für ihn kein sicherer Ort mehr. Die Mutter war psychisch erkrankt, der Vater hat immer versprochen für ihn da zu sein, konnte es aber nicht.
„Nicht schlimm“, sagt Timo, „ich kann sie ja alle zwei Wochen sehen, solange bin ich bei meiner Wahlfamilie. Die sind nett, sind für mich da und helfen mir für die Schule. Ich will doch Koch werden, da schau ich hier schon mal genau hin. – Kann ich beim Grillen helfen?“.
Timo nimmt die Grillzange in die Hand und lacht. Unbeschwerte Tage sind nun selbstverständlicher.
Die Gastfamilie freut sich. „Timo ist schon eine kleine Wundertüte. Als er zu uns kam, wirkte er sehr depressiv, bekam Medikamente, eine Therapie konnte vieles klären. Nun ist er richtig bei uns angekommen und fühlt sich sicher. Und ganz ehrlich, der ist jetzt richtig gut drauf.“ Timo dreht gekonnt die Würstchen auf dem Grill und legt der Beraterin der Familie eins davon aufs Brötchen. „Hier Gaby, hab ich für dich gemacht“. Gaby Sassowski om JuMeGa-Team freut sich: „Danke Timo, sieht super aus. Das ist genau dein Ding.“
Über die lange Zeit lernt der junge Mensch, für sich etwas aufzubauen. Dabei zu unterstützen, ist eine der Aufgaben, die in der Familie durchgehend stattfindet, so Gaby Sassowski. Jeder kann Familie sein lautet das Motto. Es bedarf keiner pädagogischen Berufsausbildung. Das Pädagog*innen-Team steht den Gastfamilie durchgehend und intensiv zur Seite. Wenn Sie Interesse an dieser Aufgabe haben, melden Sie sich gerne.
